als frisch-“geschiedener“ nach schweden .1 ..

... wie mir schweden näher kam ...

steckt man selbst in einer solchen dummen situation und verzehrt sich voller schmerz und selbstmitleid nach dem gewesenen, wird man niemals meinen, dass auch hieraus durchaus positives erwachsen kann. So ist´s mir passiert.
 
als junger student kam es auch auf mich, dass eine verbindung gelöst wurde und ich ziemlich belämmert auf der grünen wiese herumstand. und zwar um so belämmerter, als der andere teil dieser verbindung seine neuen verbindungen lustig auf dem geländes desselben studentenwohnheims pflegte, welches auch mir als behausung diente. Meine betrübnis war wohl kaum zu übersehen, denn eines tages fragte mich der kurator des heimes - so etwas gab es damals noch - ob ich nicht die universität, gleichsam durch das studentenwerk beim midsommarfest in uppsala repräsentieren wolle. 
Ich gebe zu, auf anhieb war ich so sehr begeistert nicht; der hinweis dann, dass große teile der entstehenden kosten übernommen werden würden, hatte gleichsam dann doch überzeugungsfunktion - zumal das semester in seinen letzten zügen lag, jedenfalls mein semester. ich sagte zu, nicht ahnend, was da eigentlich auf mich zukommen würde ..schonend wurde es mir beigebracht.....ja, die schweden seien bei solchen festivitäten etwas sehr formell, ob ich denn einen frack mein eigen nennen würde! es gibt studenten, die solche kleidungsstücke besitzen, ich gehörte jedenfalls nicht zu diesen. aber wofür gibt es kostümverleihe; frack, frackhemd und fliege und sonstiges zubehör wechselten für eine woche den besitzer. zu einem preis, zu dem man heute noch fast komplette anzüge erstehen kann. leider, leider, es gibt keine fotos von diesem unternehmen, ausnahmsweise bedauere ich dieses selbst.
 
zwei tage vor midsommar gings dann los. ich hatte die fährlinie lübeck-helsingborg gewählt - diese gab es damals noch - und war die einzige, deren schiffe tatsächlich wie schiffe aussahen und nicht wie margarine-schachteln. sogar ein zwischenstopp in kopenhagen gehörte mit zur streckenführung, ich empfand das damals als bereicherung, heute wird es zumeist als belastung empfunden. Allein die einfahrt gegen mitternacht in den tuborg-hafen von Kopenhagen mit den dicken bierflaschen als befeuerung - links die rote, rechts die grüne, war ein erlebnis.
 
wenige stunden später wurde ich zum ersten male schuldner des schwedischen staates; am vättern auf der schnellstraße - plötzlich auf der fast autofreien straße eine staubildung - 450 schwedenkronen waren zu entrichten, ein damals stolzer obulus für etwas zu forsches fahren ... schweden ist immer noch mein gläubiger....
 
einen tag vor midsommar kam ich dann in uppsala an und bezog ein zimmer im studententurm, als gast der norrländischen nation ...
 
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© leabhar 01.2000