...vom faken

Bei allen faszinierenden Facetten des Chats und des Chattens sollte eines nicht unter den Tisch gekehrt werden - es wird Chat-umgangssprachlich als faken bezeichnet (von dem englischen „fake“ > Fälschung, Schwindel) - nämlich das Doppeln von Nicks, das Vorgeben, ein anderer oder eine andere zu sein.
 Es liegt auf der Hand, dass das Austüfteln der Sicherheitsgrenzen eines Chats genauso prickelnd sein kann, wie das Eindringen in einen entfernten Rechner, alle Sicherungen und Firewalls durchdringend. Ich meine hier nicht das Schaffen verschiedener Chat-Identitäten durch eine Person, so etwas soll ja des öfteren vorkommen, sondern das Fälschen von Nicks und das Vorgeben einer anderen bereits vorhandenen Identität durch einen Fälscher.
So etwas kommt in allen Chats vor; bisweilen als Ergebnis spaßhaften Experimentierens, zum Teil aus reiner Böswilligkeit. Was ist zum Beispiel davon zu halten, wenn plötzlich in Deinem Chat, Du unterhältst Dich gerade friedlich mit zwei oder drei anderen, Dein Nick noch einmal auftaucht, Du also plötzlich zweimal existierst; und das unbedarfte Publikum nicht mehr weiß, was es davon halten soll. Es mag zunächst ein toller Jux sein und man mag auch seinen Spaß daran haben.
 
Aber wenn dann ein oder zwei Tage später dieser neu-alte Nick statt Deiner im Chat herumwirbelt und das Bild, welches Du bisher im Chat darstelltest, reichlich trübt? Zum Beispiel, indem unter Deinem Namen völlig neue Charakterzüge offenbart werden, Publikumsbeschimpfungen veranstaltet werden oder - eigentlich noch schlimmer - indem dieser Fake, der ja angeblich Du bist, vertrauliche Mitteilungen und Informationen bekommt, und diese dann missbraucht oder verbreitet. 

So etwas passiert immer wieder - provoziert zum Beispiel durch das Unvermögen einiger Schrifttypen, das große „I“ (i) und das kleine „l“ (el) unterschiedlich darstellen zu können. Das bedeutet dann, dass ein Nick, welcher zum Beispiel zwei kleine „l“ enthält, insgesamt 3 mal gefälscht werden kann und somit insgesamt vier Male vorkommen kann. Gut, dagegen kann man sich irgendwie wappnen, indem Nicks gewählt werden, welche kein „l“ enthalten, oder indem man alles in großen Buchstaben schreibt. Wer aber meint, dann in jedem Fall auf der sicheren Seite zu sein, irrt sich gewaltig. Gewiefte Computerfreunde, die mit diversen bildverarbeitenden Programmen gut umgehen können, schaffen es mit etwas Aufwand, letztlich jeden Nick zu „faken“.

Fortsetzung

© leabhar 01/2000

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